Christiaan Huygens-

damals und heute

no comment

In Christiaan Huygens’ Cosmotheoros spielt das Thema der menschlichen Sinne eine wichtige Rolle. Die Erforschung des Universums geschieht mit Hilfe der Sinne, die nach Huygens Gott uns gegeben hat, damit wir die Welt erforschen können:

„Denn was konnte damals vom Universum als mehr unergründlich erscheinen, als die Dinge, die jetzt klar zu Tage liegen? Und daraus können wir folgern, dass das Geschick und die scharfen Sinne den Menschen dazu gegeben sind, dass sie dadurch das Wissen von der Natur nach und nach erlangen und sich durch nichts abhalten lassen sollten, diese Dinge weiter zu untersuchen und eifrig nachzuforschen.“

Er beschreibt die menschlichen Sinne (ein wichtiges Thema auch in der Kunst des 17. Jahrhunderts);  er schreibt, warum auch die Planetenbewohner wohl über diese Sinne verfügen und schreibt, dass er es für möglich, aber nicht für wahrscheinlich hält, dass die Planetenbewohner über mehr Sinne verfügen als wir.

„[…] Ich spüre aber, dass ich schon zu weit vorwärts geschritten bin, denn es müssen zuerst die leiblichen Sinne der Planetenbewohner betrachtet werden, ohne welche sie kaum als lebendig angesehen werden können, so wie die Tiere sind, und hätten auch nichts, wozu sie eine Vernunft anwenden oder üben sollten.[41] Ich meine aber, dass man genügend Beweise liefern kann, dass jene Tiere, sowohl vernünftige als auch unvernünftige, in dem, was die Sinne angeht, mit denen auf dieser Erde übereinstimmen. Wenn wir uns überlegen, was die Tiere vermögen mittels des Sehsinnes, und wie sie ohne diesen sich nicht ernähren könnten, und auch nicht Gefahren entgehen, und nicht anders als Maulwürfe oder Regenwürmer leben würden, werden wir notwendigerweise annehmen müssen, dass, wenn Tiere besser als Maulwurf und Regenwurm sein sollen, sie einen Gesichtssinn besitzen, wobei außerdem nichts zur Erhaltung und zum Genuss des Lebens zuträglicher sein kann.

Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Umschreibung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis, wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann. Es kann das Sehen nicht sein ohne eine von außen herankommende Bewegung. Diese Bewegung, durch die das Sehen geschieht, kommt (so wie wir an anderer Stelle erklärt haben)

——————– Traité de la lumière, „Abhandlung über das Licht“; Christiaan Huygens bemerkte um 1650, dass eine Lichtausbreitung analog zu Wasserwellen die Lichtphänomene erklären würde. Er formulierte sein huygenssches Prinzip, welches kugelförmige Elementarwellen beschreibt, die sich überlagern.—————————

 

 [Fortsetzung Huygens] von der Sonne, den Fixsternen oder vom Feuer, wobei Teilchen durch schnellste Bewegung angeregt werden, und die himmlische Materie, die sie umgibt, pausenlos stoßen und treiben. Diese Bewegung wird von den nächstgelegenen bis zu den fernsten Dingen fast auf die gleiche Weise wie der Schall durch die Luft übertragen. Wenn diese Bewegung und die Materie der Himmelsluft, die die Zwischenräume des Himmels ausfüllt, nicht existierten, könnten wir weder die Sonne, noch die Sterne, noch andere nähere Himmelskörper sehen; denn die Bewegung der Teilchen in ihre Richtung prallt von ihnen wieder ab und kommt zu uns, und dies, aufgefangen mit dem Sinn der Augen, wird das Licht genannt. An diesem Sinn ist vor den anderen Sinnen zu bewundern, dass dieser Sinn so empfindlich erschaffen wurde, dass er die geringste Bewegung der himmlischen Materie wahrnimmt, und auch woher diese kommt.

Das Licht hätte unseren Sinnen die weit weg gelegenen Dinge nicht anders als durch Mitteilung mittels der Bewegung der himmlischen Materie vermitteln können, so konnte auch zur deutlichen Vorstellung der Gestalt eines jeden Dinges nichts kunstfertigeres als das Auge ersonnen werden. Ich bin der Meinung, dass diejenigen sich sehr irren, die behaupten wollen, alles könnte auch auf eine andere Weise geordnet sein. Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass Licht und Sehen auf die gleiche Weise in den Planeten-Ländern wirken wie bei uns, und dass das Sehen der dort wohnenden Tiere nicht anders ist. Demnach werden sie Augen haben, wenigstens zwei, womit sie sehen können, wie weit die Dinge vor ihren Füßen entfernt sind, und sich so vorwärts bewegen können, ohne anzustoßen. Alle Planeten-Tiere in ihrer Gesamtheit werden notwendigerweise für ihren Lebenswandel mit Augen versehen sein müssen. Auf jeden Fall aber ist es zu vermuten, dass diejenigen, die Vernunft und Sinne haben, mit dem Sehvermögen, diesem herrlichen Juwel, ausgerüstet sein müssen, da das Sehvermögen zu viel mehr noch verwendet werden kann. Mit dem Sehvermögen erkennen wir die Schönheit der Farben, die feine Bildung der Gestalten, mit diesem Sinn lesen und schreiben wir, betrachten den Himmel, die Sterne und ihren Lauf und messen ihre Größe. Ob und wie wir diese Dingen bei den Planetenbewohnern erwarten können, werden wir noch sehen. Vorher noch betrachten wir die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass sie auch unsere übrigen Sinnen haben. Was das Gehör betrifft, so haben wir Anlass anzunehmen, dass es bei allen Tieren auf den Planeten anwesend ist. Das Gehör ist besonders nützlich, um vor Gefahren zu bewahren, weil man ein bevorstehendes Unglück oft über Schall und Krachen wahrnimmt, ganz besonders in der Nacht, wenn man nichts sieht. Wir beobachten auch, wie die meisten Tiere mit einer Stimme Ihresgleichen zu sich rufen und einander viel zu verstehen geben, das wir zwar nicht verstehen, womit aber vielleicht mehr ausgedrückt wird, als wir meinen. Wenn wir bedenken, wie vernunftbegabten Wesen die Stimme und das Gehör so wunderbar nutzt, so ist doch fast nicht zu glauben, dass ein so unvergleichlicher Sinn und die Gabe der Rede bloß unserer Erde zuliebe erfunden worden sei. Und wie viel weniger Wohlergehen und Bequemlichkeit hätten die Planetenbewohner, die diesen Sinn nicht hätten, und womit könnte man es ihnen ersetzen? Wenn wir weiterhin betrachten, wie wunderbar und geschickt die Natur es geordnet hat, dass eben die Luft, in der wir Atem holen und leben, auch mit ihrem Wehen die Schiffe forttreibt und den Vögeln die Möglichkeit gibt umherzufliegen, zugleich aber auch so beschaffen ist, dass in ihr der Schall ausgedrückt wird und weitergeführt wird, so werden wir nicht leicht glauben, dass man den großen Nutzen der Luft in jenen Planetenländern entbehren muss. […]

Ich fahre fort, über die übrigen Sinne der Tiere zu sprechen. Es hat den Anschein, dass der Sinn des Fühlens oder der Empfindlichkeit der Berührung allen denen gegeben ist, die mit einer weichen und beweglichen Haut bedeckt sind, damit sie das, was sie verletzen kann, meiden können und sie fliehen können. Ohne diesen Sinn würden sie sonst häufig verletzt, geschlagen und gestoßen. Die Natur ist hiermit so vorsichtig gewesen, dass sie auch jedem kleinsten Stückchen Haut Schmerzempfindlichkeit verliehen hat. Von daher muss man glauben, dass diese für die Erhaltung der Gesundheit so notwenige Kraft auch den Planetenbewohnern gegeben sei.

Wer aber würde verneinen, dass Geruch und Geschmack unentbehrlich sind für diejenigen, die Nahrung zu sich nehmen, so dass sie Nützliches und Schädliches unterscheiden können. Wenn die Tiere in den Planetenländern sich von Kräutern, Samen oder auch von Fleisch nähren, so ist es wahrscheinlich, dass sie auch diesen Sinn besitzen, ohne den es keine Lust oder Abscheu gibt.

Ich weiß, dass manche die Frage aufgeworfen haben, ob nicht von Natur aus noch andere Sinne entstehen können als die genannten fünf Sinne. Wenn man diesem Gedanken zustimmt, könnten die Planetentiere ganz andere Sinne haben als wir. Ich sehe nicht, was hindern sollte, dass man auch auf eine ganz andere Art sinnlich empfinden sollte; wenn man sich aber überlegt, zu welchem Gebrauch wir jeden der fünf Sinne haben, dann scheint es nicht nötig, dass da noch ein weiterer Sinn dazu kommt und kommen sollte. Die göttliche Vorsehung hat verordnet, dass wir die Beschaffenheit der nahen und fernen Dinge mit den Augen empfinden sollen. Weiterhin, was hinter uns ist, oder wir im Finstern nicht sehen können, sollte das Gehör vernehmen. Und dann, das, was wir weder sehen noch hören können, das sollte uns ein anderer Sinn vermitteln, der in der Nase sitzt, so wie wir vom wunderbar scharfen Geruchsinn der Hunde wissen. Was diese vier Sinne nicht erfassen, das lässt die göttliche Vorsehung durch das Fühlen vermitteln, so dass wir unseren Körper nicht irgendwo schädlich anstoßen. Also hat die göttliche Vorsehung den Tieren alles zur Wohlfahrt und zur Erhaltung Nötige gegeben, so dass es scheint, dass man mehr weder verlangen noch wünschen könnte, und die göttliche Vorsehung den Planetenbewohnern somit etwas Überflüssiges zugeteilt hätte.“

 

 

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