Der niederländische Naturwissenschaftler und Astronom Christiaan Huygens (1629-1695) hat seine Vision des Universums festgelegt in seinem letzten Text „Cosmotheoros“: wörtlich „Weltbetrachter“.
Betrachter und Theoretiker
Auf dem Titel der lateinischen Originalausgabe ist das Wort mit griechischen Buchstaben zu sehen:
Κοσμοθεωρος
„Theoros“, das ist sowohl der Betrachter als auch der Theoretiker des Kosmos. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung,
Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten. Und nicht nur das: die astronomischen Teleskope zum physischen Sehen als Grundlage seiner theoretisch-physikalischen Arbeit hat Huygens selbst gebaut, zusammen mit seinem Bruder, übrigens auch einem „Weltbetrachter“. In dem Text Cosmotheoros nimmt die überlegende Betrachtung der Funktion des Sehens und des Baus des menschlichen Auges dann auch einen wichtigen Platz ein. Huygens: „Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Wahrnehmung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann.“
Hier spricht Huygens, der sehend-wahrnehmende Theoretiker des Lichts und des Sehens.
Huygens hat selbst als betrachtender Weltbeschauer Entdeckungen im Weltraum gemacht, die im Cosmotheoros genannt werden: er hat den ersten Mond des Saturns entdeckt (Titan); er hat als erster den Ring des Saturns richtig beschrieben und erklärt, und er hat eine gute Schätzung für den Abstand zu den Fixsternen unternommen.
In seinem berühmten Buch über die Ringe des Saturns und den ersten entdeckten Saturnmond „Systema Saturnium“ van 1659 (die lateinische Originalversion mit Skizzen und eine französische Übersetzung ist digitalisiert zu finden auf der Website der Oeuvres complètes, Band XV) schreibt Huygens ausführlich über seine Entdeckung des ersten Saturnmondes, den Huygens selbst „comes“, Begleiter, nannte- der Name Titan wurde diesem Mond erst nach Huygens’ Tod verliehen.
Huygens beschreibt, wie er ab 25. März 1655 einen kleinen Stern immer wieder in der Nähe des Saturns sehen kann, in verschiedenen Himmelsrichtungen. Nach sechzehn Tagen ist der Begleiter wieder auf derselben Position zu sehen im Verhältnis zum Saturn.
Auf Huygens’ Skizzen ist deutlich zu sehen, dass Titan ziemlich weit vom Saturn weg steht. Es war gar nicht so einfach, zwischen all den Sternen auf dem Hintergrund den einen Lichtpunkt als einen Mond zu bemerken. Huygens’ selbstgemachtes Teleskop hatte keinen automatischen Nachführmechanismus, wie man ihn heute hat, also war das Beobachten nicht unkompliziert, so wie jeder weiß, der jemals selbst die Sterne mit einem einfachen Fernrohr beobachtet (nach Vincent Icke)

Huygens‘ Analyse der Bahn des Titans und die Bestimmung der Umlaufzeit. Huygens nimmt an, dass die Bahn kreisförmig ist. Nach modernen Messungen misst der Durchschnitt der Bahn 10,6-mal den Durchschnitt des Planeten; also ist die Zeichnung auffällig exakt.
Maria Trepp
Der niederländische Naturwissenschaftler und Astronom Christiaan Huygens (1629-1695) hat seine Vision des Universums festgelegt in seinem letzten Text „Cosmotheoros“: wörtlich „Weltbetrachter“.
(Siehe auch hier zuvor erschienene Blogs)
Betrachter und Theoretiker
Auf dem Titel der lateinischen Originalausgabe ist das Wort mit griechischen Buchstaben zu sehen:
Κοσμοθεωρος
„Theoros“, das ist sowohl der Betrachter als auch der Theoretiker des Kosmos. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung,
Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten. Und nicht nur das: die astronomischen Teleskope zum physischen Sehen als Grundlage seiner theoretisch-physikalischen Arbeit hat Huygens selbst gebaut, zusammen mit seinem Bruder, übrigens auch einem „Weltbetrachter“. In dem Text Cosmotheoros nimmt die überlegende Betrachtung der Funktion des Sehens und des Baus des menschlichen Auges dann auch einen wichtigen Platz ein. Huygens: „Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Wahrnehmung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann.“
Hier spricht Huygens, der sehend-wahrnehmende Theoretiker des Lichts und des Sehens.
Sehen, Betrachten, Verstehen, theoretisches Beschreiben und schilderndes Beschreiben gehen bei Huygens ineinander über, so wie es mehr als hundert Jahre später der Dichter und Naturwissenschaftler Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb:
„Denn das bloße Anblicken einer Sache kann uns nicht fördern. Jedes Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes Sinnen in ein Verknüpfen, und so kann man sagen, dass wir schon bei jedem aufmerksamen Blick in die Welt theoretisieren. Dieses aber mit Bewusstsein, mit Selbstkenntnis,
mit Freiheit, und um uns eines gewagten Wortes zu bedienen, mit Ironie zu tun und vorzunehmen, eine solche Gewandtheit ist nötig, wenn die Abstraktion, vor der wir uns fürchten, unschädlich und das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht lebendig und nützlich werden soll.“
Die Ironie, das lebendige Beschreiben und das nützliche Erfahrungsresultat: alles findet sich auch im Cosmotheoros.
Huygens hat selbst als betrachtender Weltbeschauer Entdeckungen im Weltraum gemacht, die im Cosmotheoros genannt werden: er hat den ersten Mond des Saturns entdeckt (Titan); er hat als erster den Ring des Saturns richtig beschrieben und erklärt, und er hat eine gute Schätzung für den Abstand zu den Fixsternen unternommen.
In seinem berühmten Buch über die Ringe des Saturns und den ersten entdeckten Saturnmond „Systema Saturnium“ van 1659 (die lateinische Originalversion mit Skizzen und eine französische Übersetzung ist digitalisiert zu finden auf der Website der Oeuvres complètes, Band XV) schreibt Huygens ausführlich über seine Entdeckung des ersten Saturnmondes, den Huygens selbst „comes“, Begleiter, nannte- der Name Titan wurde diesem Mond erst nach Huygens’ Tod verliehen.
Huygens beschreibt, wie er ab 25. März 1655 einen kleinen Stern immer wieder in der Nähe des Saturns sehen kann, in verschiedenen Himmelsrichtungen. Nach sechzehn Tagen ist der Begleiter wieder auf derselben Position zu sehen im Verhältnis zum Saturn.
Auf Huygens’ Skizzen ist deutlich zu sehen, dass Titan ziemlich weit vom Saturn weg steht. Es war gar nicht so einfach, zwischen all den Sternen auf dem Hintergrund den einen Lichtpunkt als einen Mond zu bemerken. Huygens’ selbstgemachtes Teleskop hatte keinen automatischen Nachführmechanismus, wie man ihn heute hat, also war das Beobachten nicht unkompliziert, so wie jeder weiß, der jemals selbst die Sterne mit einem einfachen Fernrohr beobachtet.

Huygens‘ Analyse der Bahn des Titans und die Bestimmung der Umlaufzeit. Huygens nimmt an, dass die Bahn kreisförmig ist. Nach modernen Messungen misst der Durchschnitt der Bahn 10,6-mal den Durchschnitt des Planeten; also ist die Zeichnung auffällig exakt. (nach Vincent Icke)
Maria Trepp