Im siebzehnten Jahrhundert wurden viele ungewöhnliche Naturphänomene wie Kometen in einer neuen Weise interpretiert.
Der Komet von 1680-1681 wird weithin als ein Wendepunkt im Denken über Kometen angesehen. In diesen Jahren veröffentlichten der französische Philosoph Pierre Bayle und der niederländische Pfarrer Balthasar Bekker ihre berüchtigten Angriffe auf den ihrer Meinung nach rückständigen Aberglauben. Ihre damals heftig umstrittenen Schriften werden daher oft als radikaler Bruch mit der Vergangenheit und als Beginn der Aufklärung gesehen. Die Arbeiten von Bayle und Bekker werden oft direkt in Verbindung gebracht mit den Beobachtungen des Kometen, die die berühmten Philosophen Isaac Newton und Edmund Halley ausführten. Nach viel Rechenarbeit zogen die Engländer den Schluss, dass dieser Komet eine parabolische und somit vorhersehbare Bahn durchlaufen musste. Ihre wissenschaftliche Arbeit wird als Bruch mit der Vergangenheit gesehen.
Überall in Europa wurde der Komet von Naturphilosophen, Theologen und Laien aufmerksam beobachtet, und es erschienen hunderte Abhandlungen, in denen man über die Natur und Bedeutung dieses Wunderzeichens am Himmel spekulierte.
Christiaan Huygens schrieb am 27. Dezember 1680 aus der Académie des Sciences in Paris an seinen Vater Constantijn:
“Ich habe noch nie einen Kometen dieser Größe gesehen gesehen. Heute war hier rund um die Sternwarte eine riesige Menschenmenge versammelt, die glaubte, dass die Astronomen dieses Phänomen erklären und deuten konnten. “
Und C.D. Andriesse zitiert in seiner Huygens-Biographie auch noch diesen Brief von Christiaan Huygens:
“Es gibt schon einige Zeit lang einen Kometen, aber bis letzte Nacht konnte man hier nichts sehen. Um 5 Uhr, als der Himmel sich aufgeklärt hatte, stand er da, erstaunlich hell, und der sehr langen Schwanz (praktisch die Hälfte des Himmels) war markant. Einen solchen starken Kometen habe ich mein Leben lang nicht gesehen.”
Andriesse: “Die Frage war, ob der Komet, der im Dezember plötzlich über Paris erschien, im November auch schon kurz gesehen war. [Huygens] dachte nicht. Wie Giovanni Cassini und viele andere blieb er bei dem Vorurteil, dass Kometen sich entlang gerader Linien bewegen. Aber der Komet vom November raste an der Sonne entlang, und veränderte die Richtung, um einen Monat später wieder in die Nähe der Erde zu kommen.”
In seinem Cosmotheoros und in anderen Schriften greift Huygens Descartes an, und dessen Hypothese über Kometen, aber Huygens selbst hatte die Kometen nicht gut begriffen. Es war Newton, der in seinen Principia die parabolische Bahn des Kometen (später genannt Halleyscher Komet) beschrieben hat.

Komet im Teppich von Bayeux

Giotto, Komet über dem Stall von Bethlehem

William Turner, Komet, 1858

Wassily Kandinsky, Komet, 1900
Bei Christiaan Huygens selbst, und auch in der Einleitung des deutschen Übersetzers seines Cosmotheoros (1698), nimmt die christliche Rechtfertigung für eine anti-anthropozentrische Kosmologie, die dem Menschen die Sonderrolle raubt, einen wichtigen Platz ein. Huygens‘ deutscher Übersetzer, der Nürnberger Astronom Johann Philipp von Wurzelbau, findet in einer Reihe von Pauluszitaten eine physikotheologische Rechtfertigung zur Erforschung des Himmels.
Wurzelbau und Huygens erleben ein stark religiöses Gefühl beim Betrachten der „Wunder“werke Gottes. Beide sehen die besondere Rolle der Vorsehung Gottes bei der Ordnung der Natur. Im 17. Jahrhundert haben viele Denker, so auch Huygens, mit der theologischen Deutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse eine Symbiose gefunden zwischen Theologie und Naturwissenschaften, die den wissenschaftlichen Fortschritt ermöglichte.
Huygens verteidigt sich gegen eventuelle religiöse Gegner: „Andere dagegen werden dasjenige, was wir als wahrscheinlich darstellen wollen, auffassen als etwas, das der Heiligen Schrift widerspricht, wenn hier die Rede ist von Erdkugeln, Tieren, von denen sogar einige mit Vernunft begabt sind. Von diesen Dingen aber spricht die Bibel nicht, ganz im Gegenteil, sie handelt nur von dieser Erde mit ihren Tieren und Pflanzen und dem Menschen als Herrn über alles. Diesen Einwänden entgegne ich, so wie es auch andere vor mir getan haben, dass Gott eben nicht über alle Einzelheiten der Schöpfung unterrichten wollte.“
In vielen Punkten wandelt Huygens in den Fußstapfen Galileis. Das Verhältnis von Kosmologie und Religion, das Huygens im „Cosmotheoros“ bespricht, hat auch Galilei ausführlich erörtert. Galilei hat sich mit dem Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube und besonders mit der Verträglichkeit des kopernikanischen Systems mit den Aussagen der Heiligen Schrift befasst. In seinem Brief an D. Benetto Castelli vom 21. Dezember 1613 betont Galilei, dass die Heilige Schrift zwar immer unanfechtbar wahr sei, jedoch die menschliche Interpretation fehlerhaft sein kann. Bei der menschlichen Interpretation dürfe man sich zum Beispiel nicht an bestimmte Worte klammern, da dies zum falschen Verständnis führt. Gott hat den Menschen Urteilskraft und Verstand gegeben, damit sie diese verwenden. Über die Astronomie stehe beinahe nichts in der Bibel, deshalb hat Gott den Menschen in dieser Sache nichts in der Heiligen Schrift mitzuteilen.
Bei Huygens wie bei Galilei ist Gott ein oberstes Wesen, der Erschaffer der Welt. Er ist jedoch kein personaler Gott, kein Erlöser oder Gott des Heils. Huygens’ Gott ähnelt dem Gott Galileis und dem Gott von Leibniz. Jedoch geht Huygens nicht so weit wie Spinoza (den Huygens persönlich kannte und mit dem er über das Linsenschleifen korrespondierte). Gott und Natur fallen für Huygens nicht so zusammen wie für Spinoza; Huygens ist kein Pantheist. Die Teleologie und die Vorbestimmung in Huygens’ Gottesbild passen nicht in das Weltbild von Spinoza. Jonathan Israel beschreibt den persönlichen Antagonismus zwischen Spinoza und Huygens, welcher auf vielen Faktoren beruhte, unter anderem auf Spinozas Cartesianismus (Radical Enlightenment, S. 246-252). Leider ist Huygens‘ Antwort auf die Frage von Leibniz (1679), was Huygens von Spinozas Ethik fand, nicht bewahrt geblieben.
Auffällig ist bei Huygens, dass er die Naturwissenschaft als „Gottesdienst“ auffasst: man kann Gott dienen, indem man seine Werke studiert und bewundert.
Huygens: “Und daraus können wir folgern, dass das Geschick und die scharfen Sinne den Menschen dazu gegeben sind, dass sie dadurch das Wissen von der Natur nach und nach erlangen und sich durch nichts abhalten lassen sollten, diese Dinge weiter zu untersuchen und eifrig nachzuforschen.“
„Wie aber würde ein solcher Mensch Gott nicht hoch verehren und preisen, der solche Dinge gewirkt und erschaffen hat, dessen Vorsehung und wunderbare Weisheit hier immer wieder verteidigt wird, und zwar gegen diejenigen, die sagen, dass die Erde aus zufälligen Staubkörnchen entstanden ist, oder überhaupt keinen Anfang gehabt habe.“
Huygens‘ natürliche Theologie, die die Schöpfung als ein „Buch der Natur“ liest, kann sich auf das belgische Glaubensbekenntnis von 1619 berufen, die Grundlage der niederländischen reformierten Kirche, wo im zweiten Artikel von 1619 festgestellt wird (mit dem Hinweis auf Paulus; siehe auch Wurzelbaus Argumentation), dass wir Gott auf zwei verschiedene Weisen kennen: erstens [!] durch die Schöpfung und zweitens durch Gottes Wort. (Jorink, S. 20)
Christiaan Huygens, der in seinem Text Cosmotheoros über außerirdisches Leben phantasiert, denkt auch scharf nach über die Bedingungen des menschlichen Lebens.
Er, der selbst im Mikroskop Samenzellen sehen konnte, wendet sich scharf gegen die Argumentation der sogenannte „Spontanzeugung“, eine Denkrichtung, die schon seit Aristoteles wiederholt, dass Lebewesen spontan aus zuvor unbelebter Materie entstehen können.
Huygens nennt im Cosmotheoros zwei beliebte Legenden von Spontanzeugung, die Entenbäume (goose barnacle), und Mäuse und Reptilien aus Nilschlamm, und weist diese Märchen ab:
„Wenn man eine andere Art der Fortpflanzung ersinnen wollte, etwa so wie von Bäumen, von denen man lange geglaubt hat, dass auf ihnen in Britannien Enten wachsen können, dann ist jedoch klar, dass dies wegen des großen Unterschieds zwischen Holz und Fleisch ganz wider die Vernunft ist. Oder wenn man meinen würde, dass Tiere aus Schlamm entstehen können, wie man von den Mäusen in Ägypten sagt, so sieht jeder, der die Natur fleißig erkundet, dass dieses ihrer Ordnung zuwider liefe.“
Noch bei Shakespeare und bei Huygens’ Zeitgenossen Izaak Walton findet sich der Gedanke, dass aus dem Schlamm in Ägypten unter Sonneneinwirkung Reptilien entstehen.
Shakespeare, Anthony and Cleopatra, 2,7:
Lep.
Your Serpent of Egypt, is bred now of your mud
by the operation of your Sun: so is your Crocodile.”
Was die Entenbäume betrifft, so erzählt noch Adriaen Coenen in seinem Visboeck aus dem 16. Jahrhundert von Entenbäumen und macht IIllustrationen.

Auch Jacob van Maerlant hat Entenbäume beschrieben:

Nach dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm ist ein Entenbaum ein am Meeresufer wachsender Baum mit muschelartigen Früchten. Nach der Legende sollen aus diesen Früchten, wenn sie ins Wasser fallen, kleine Enten schlüpfen.
Victor Petriconi schreibt in Percebes und die Sage vom Entenbaum: „Die Diskussion über den merkwürdigen Baum, dessen abgerissene Äste mit den daran wachsenden “Muscheln” immer mal wieder anstranden, durchzog das ganze Mittelalter bis ins 18. Jh. hinein. Viele deuteten die aus den an Treibholz wachsenden “Muscheln” herausragenden Fangarme der kleinen Krebse als bereits entwickelte Federchen der künftigen Enten, bzw. Gänse, und der Kosmograph Hector Boethius schreibt 1526: „ … So werden doch unseres Wissens einzig und allein [die Gänse] durch die Beschaffenheit der Meere erzeugt. … so glaube ich, dass diese Gänse auf den Bäumen wachsen, mit den Schnäbeln daran hängend, ungefähr wie Äpfel und andere Früchte mit ihren Stielen an den Zweigen hängen.” Mitte des 16. Jh. gelangte der Entenbaum in die Kräuterbücher, wo ihn der Theologe Sebastian Münster bedenkenlos abbildet, ja der Mythos pflanzt sich fort und Caspar Baudin errichtet um 1623 in seiner Historia plantarum universalis eine ganze Sektion “Arbores anatiferae” (Abteilung Entenbäume) mit mehreren Untersektionen.“
Johannes Kepler beschreibt in seiner Erzählung Somnium über Lebewesen auf dem Mond, die aus einer Art Pinienzapfen entstehen, und verweist in Fußnote 221 auf die Entenbäume in Schottland.
Maria Trepp
Huygens‘ Interesse für Optik und das praktische Interesse für das Linsenschleifen fand seine Anwendung nicht nur bei Teleskopen, sondern auch bei Mikroskopen. Das Mikroskop war im 17. Jahrhundert ein wichtiger Zugang zu einer neuen Wunderwelt. Sein Leben lang hat Huygens sich, zusammen mit dem Bruder Constantijn, für Mikroskope interessiert; ein Interesse und eine Faszination, die sie von ihrem Vater Constantijn übernahmen und mit ihm teilten. Vater Constantijn Huygens war befreundet mit Descartes und wie später sein Sohn Christiaan an der Theorie und Praxis der Optik sehr interessiert. Im Cosmotheoros schreibt Christiaan über die faszinierende Welt unter dem Mikroskop:
“[…] es scheint, dass es nichts Schöneres gibt, das der menschliche Verstand hervorgebracht hat. Hierzu gehört auch […] die Erfindung der Fern- und Vergrößerungsgläser, mit denen man die Natur der Dinge aufs genaueste erforschen kann.“
„Vom Blutkreislauf durch Pulsadern und andere Adern könnte ich auch sprechen, wovon man früher schon wusste, aber jetzt erst mittels des Vergrößerungsglases an einigen Fischschwänzen wirklich genau untersucht hat. Mehr könnte ich auch noch schreiben über die Fortpflanzung der Tiere, wo man gefunden hat, dass keines anders als durch Samen von seinesgleichen erzeugt wird, was man auch bei den Gewächsen nachgewiesen hat; auch, dass sich im männlichen Samen viele tausend der lebhaftesten Tierchen befinden, und dass durch diese die Nachkommen der Tiere entstehen. Dies ist zweifelsohne wahr und ist eine ganz wunderbare und unerhörte Sache.“
Huygens stand in Kontakt mit dem niederländischeren Naturforscher und Mikroskopbauer Antonie van Leeuwenhoek (1632 -1723).

Im Jahr 1668 bestätigte Van Leeuwenhoek die Entdeckung des Blutkreislaufs durch den italienischen Anatomen Marcello Malpighi und zeigte, wie rote Blutkörperchen durch die Kapillaren eines Froschbeines zirkulierten; 1674 lieferte er die erste genaue Beschreibung von roten Blutkörperchen. Diese waren 1658 von seinem Kollegen und Konkurrenten in der mikroskopischen Forschung Jan Swammerdam entdeckt worden.
Van Leeuwenhoek beschrieb 1677 Samenzellen von Insekten und Menschen und widersprach (wie Huygens im Cosmotheoros) der vorherrschenden Theorie von der Spontanzeugung der kleinsten Lebewesen. Huygens hat selbst bei Van Leeuwenhoek Samenzellen im Mikroskop beobachtet.
Christiaan Huygens und sein Vater Constantijn ebenso wie der Huygens-Freund Leibniz waren begeistert von den Sammlungen des Naturforschers Jan Swammerdam, einer der ersten, der systematisch Gebrauch machte vom Mikroskop und der 1675 eine Naturgeschichte der Insekten veröffentlichte. Für Swammerdam war die Natur eine Bibel, und war das Studium der Wunderwerke der Natur ein Gottesdienst. Bei ihm finden sich auch, wie bei Huygens, die physikotheologischen Gedanken, dass aus der Struktur der Natur die Existenz Gottes abgeleitet werden kann.

Jan Swammerdam, Bibel der Natur, Auge der Biene
Maria Trepp
Christiaan Huygens schrieb seinen letzten Text “Cosmotheoros” auf dem Landgut, das sein berühmter Vater, der Dichter und Staatsman Constantijn Huygens gebaut hatte: Hofwijck, jetzt ein kleines Museum.

Zeichnung von Christiaan Huygens


Der barocke Garten mit Buchenhecken, die „Gartenzimmer“ formen

Die Bibliothek

Die Küche
Am 17. April konnte ich von meinem Balkon in Leiden, Niederlande, den Saturn sehen und sogar ein einfaches Foto machen mit dem Saturn neben dem Stern Spica aus dem Sternbild Jungfrau.

Der Saturn steht ziemlich tief am Horizont, deshalb sieht man auch ein Stück von einem Baum. Saturn steht links, rechts Spica.
Der Saturn geht im Moment bei Sonnenuntergang im Osten auf und ist gut zu sehen, weil er sich in direkter Opposition befindet – die Erde befindet sich auf einer Linie zwischen Saturn und Sonne.

Saturn (links, das Symbol ist eine stilisierte Sichel des Saatgottes Saturn) und Spica (Alpha Virginis), der sichtbarste Stern im Sternbild Jungfrau
Um zu wissen, welchen Stern man am Himmel sieht, kann man Google Sky Map auf dem Smartphone benutzen.
Saturn stand am 15. April in der Opposition, direkt gegenüber der Sonne, und ist jetzt von der Erde aus deutlich sichtbar.
Hier ist ein Bild von Universe Today, wie Saturn jetzt von der Erde aus mit einem Teleskop gesehen aussieht :

Christiaan Huygens, der als erster die Ringe des Saturns richtig erklärte, beschreibt in seinem “Systema Saturnium” von 1659 warum der Saturn von der Erde aus gesehen verschiedene Formen annimmt. Er zeigte auf einer Skizze, wie Erde und Saturn um die Sonne drehen (ABCD ist die Umlaufbahn des Saturn in rund 30 Jahren) und gibt im äußeren Ring derZeichnung auch an, welche Scheingestalten der Saturn jemandem zeigt, der von der Erde aus durch ein Fernglas guckt. Der Ring verschwindet bei den Positionen B und D, wenn man den Saturn in Kantenposition direkt von der Seite sieht; der Ring verleiht Saturn “Ohren” auf anderen Positionen wie z. B. auf M und N; und lässt Saturn ungefähr rund erscheinen auf den Positionen A und C.

Erscheinungen des Saturns: auf Huygens’ Karte befinden wir uns jetzt im April 2012 ungefähr auf Punkt N
Wenn der Saturn im Sternbild Jungfrau steht, ist die Gestalt des Saturns durch ein einfaches Fernglas gesehen ungefähr rund; auf Huygens‘ Bild rechts:
“Wir haben den Saturn ab Dezember 1655 bis Juni 1656 ohne Arme und ganz rund gesehen. Dass diese Scheingestalt so lange bleiben konnte, kann [...] durch die Annahme erklärt werden, dass die Linie AC [siehe die Karte, MT] die Stelle angibt, die der Saturn selbst einnahm, als er in der Opposition war mit der Sonne, das heißt 20 Grad in der Jungfrau. Das musste als Folge haben, dass in diesem Zeitraum der Saturn und die Erde gleichzeitig auf der gleichen Seite der Linie AC standen, auf eine solche Weise, dass Saturn der Erde am nächsten war. Einmal jedoch, zum Zeitpunkt der Opposition, standen sie beide gleichzeitig auf AC. Daraus resultiert nur eine runde Scheingestalt, wie aus dem obigen verstanden werden kann.“
Bei der Opposition im April 2012 sind die Ringe des Saturns von der Erde aus gesehen noch nicht voll geöffnet, das wird erst im Jahr 2017 der Fall sein.

Siehe auch:
Das Museum Lakenhal in Leiden zeigt im April-Mai 2012 eine Sammlung von Laterna-magica-Bildern: Geschichten, Gesichter und Landschaften; zusammen mit originalen Zauberlaternen.
Eine Zauberlaterne (Laterna Magica) ist ein Gerät, womit Bilder projiziert werden können. Es ist eigentlich eine Vorstufe des Dia-Projektors.
Christiaan Huygens hat im Jahr 1659 auf eine neue Weise eine Zauberlaterne mit Linsen und Spiegeln gebaut, so dass die Laterne viel besser funktionierte als die vorherigen Schatten-Versionen ohne Linse. Huygens selbst fand die Laterna magica ziemlich kindisch und hat ihr wenig Wert beigemessen. Doch hat er selbst auch ein paar Skizzen für Laterna magica- Bilder gemacht, vom Totentanz von Hans Holbein inspiriert (die Abbildungen hier stammen aus den Oeuvres complètes, diese Bilder werden nicht in der Lakenhal gezeigt!)

Hier oben eine Skizze von einer Laterna magica von Christiaan Huygens, von links nach rechts: Hohlspiegel, Lampe, Glaslinse, durchsichtige Platte, Objektiv und Wand.

Laterna magica Bilder von Christiaan Huygens: Totentanz nach Hans Holbein
Huygens selbst hatte eine einfache Bewegungs-Effekte erreicht, durch zwei Bilder schnell hintereinander zu zeigen: das von ihm gezeichnete Skelett, das auf dem nächsten Bild höflich den Kopf abnimmt, ist ein wahrer Klassiker geworden.
Hans Holbein wollte nicht nur veranschaulichen, dass der Tod kein Alter und keinen Stand verschont, sondern auch, wie der Tod mitten hereintritt in Alltag des Erdenlebens:

Es war üblich, dass Laterna Magica Bilder nach der Vorlage von Drucken hergestellt wurden, zum Beispiel von Jan Luyken, Leonardo da Vinci, Jacques Callot und Pieter Bruegel- oder wie hier, Hans Holbein.
In der Lakenhalle werden Laterna Magica Bilder aus der Werkstatt Musschenbroek gezeigt , eine Sammlung der frühesten schön bemalten Laternenbilder der Welt; vor fast drei Jahrhunderten in Leiden in der Werkstatt der Instrumentenbauer-Familie Musschenbroek fabriziert. Die Bilder variieren von Landschaften über Handwerker, komische Zwerge und Affen zu grotesken Köpfen und ausländischen Comedia dell’Arte-Figuren.

Maria Trepp
Huygens braucht für seine populärwissenschaftliche Erzählung Cosmotheoros(1695) intelligente Planetenbewohner, als didaktisches Mittel, und für die Anschaulichkeit und die perspektivische Schilderung; darum behauptet er auch, dass die Planetenbewohner astronomische Beobachtung anstellen, so wie wir.

Huygens ist nicht der erste, der die Perspektive der außerirdischen Wesen verwendet, um eine anschauliche wissenschaftliche Schilderung zu gestalten, die das kopernikanische System unterstützt und erklärt. Johannes Kepler, der Entdecker der Planetenbewegungen (keplersche Gesetze), hat in seiner kleinen Wissenschaftsdichtung „Somnium Astronomicum“(1634, posthum) , auf die Huygens hinweist, wissenschaftliche Erkenntnis, Mythologie und Phantasie verbunden. Kepler ließ sich dabei durch Lukian und vor allem Plutarchs „Mondgesicht“ inspirieren. Beide Texte, vor allem Plutarch, dienten Huygens als klassische Quellen. Die Lehre des Kopernikus wird verständlich und tastbar, wenn man sich vergegenwärtigt, wie das Sonnensystem für einen außerirdischen Beobachter aussieht. Kepler und Huygens haben mit ihren Visionen die späteren Raumfahrten schon spielerisch und erstaunlich detailliert vorweggenommen.
Karl S. Guthke:
„Keplers Traum, 1634 veröffentlicht, aber schon 1609 geschrieben und handschriftlich in Umlauf gebracht, ist das erste literarische Werk, das, inspiriert von der kopernikanischen Naturwissenschaft, Aliens im Weltraum thematisiert.“ (S. 81)
Obwohl Keplers Schrift im Gegensatz zum Cosmotheoros deutlich phantastische Züge trägt, kann man auch wichtige Parallelen zwischen den Texten nachweisen. Keplers erster Satz, mit dem er seinen „Traum“ einleitet, lautet: „Als im Jahre 1608 die Zwistigkeiten zwischen den Brüdern Kaiser Rudolph und Erzherzog Matthias ihren Höhepunkt erreicht hatten […]“
Der Kontext von Krieg und Elend verbindet Kepler und Huygens ebenso wie die Gesellschaftskritik und die Abneigung von bewaffneten Konflikten. Huygens ist durchgängig ein Optimist, der sich nahezu in einer Leibnizianischen „besten aller Welten“ wähnt, und allen Übeln noch etwas Gutes abgewinnen kann. Der Optimismus verlässt ihn jedoch beim Gedanken an das Schießpulver: „Wir aber haben auch das Schießpulver, das aus Schwefel und Salpeter gemischt und bereitet wird und zu mancherlei Gebrauch dienlich ist; aber ob es mehr Nutzen als Schaden bringt, kann mit Recht in Zweifel gezogen werden. Es hatte zwar den Anschein, als ob man durch die verwunderliche Gewalt des Schießpulvers und durch die geschickte Art, Städte zu befestigen, sicherer vor feindlichen Angriffen als in alten Zeiten leben konnte. Wir sehen aber, dass auch der Feinde Gewalttätigkeit sehr überhandgenommen hat, so dass man in den Feldschlachten mit Stärke und Tapferkeit nicht mehr so viel ausrichten kann wie früher.[…] In diesem einen Falle wollte man sagen, es wäre besser für die Menschen, wenn das Schießpulver nie erfunden worden wäre.“
Schießpulver und Bomben durchlöchern beinahe Huygens‘ standhaften Optimismus: eine echte Anfechtung. Für Huygens wie für Kepler gibt der Standpunkt außerhalb der Erde Gelegenheit zur Relativierung der irdischen Konflikte, und gibt eine Gelegenheit, die Sinnlosigkeit von Kriegen anzuprangern. Huygens: „Von meiner Darstellung kann man sich überzeugen lassen, wie riesig das Sonnensystem ist und wie unbedeutend die kleine Erdkugel ist, auf der wir so viel unternehmen, so viele Schiffreisen machen, und so viele Kriege führen. Wollte Gott, dass unsere Könige und Monarchen dieses erkennen und überlegen mögen, so dass sie sähen, wie schlecht sie handeln, wenn sie sich mit allen Kräften und vieler Menschen Not abmühen, um eine kleine Ecke dieser Erde zu besetzen.“
Kepler beschreibt den Mond als Land „Levania“. Er macht einen Unterschied zwischen den Mondbewohnern, die auf der Seite des Mondes wohnen, die der Erde zugewandt ist, und den Bewohnern, die auf der Seite wohnen, die der Erde abgewandt ist, und die also die Erde nie sehen. Die ersten nennt er „Subvolvaner“ , die letzteren „Privolvaner“. „Volva“ ist bei Kepler die Erde, die sich vor den Augen der Mondbewohner dreht; von lateinisch volvere (drehen); im Gegensatz zum Mond dreht die Erde sich um ihre eigene Achse.
Die Passage bei Huygens über die eventuellen Mondbewohner und ihren Blick auf die Erde ist stark an Kepler angelehnt (Huygens ist übrigens skeptisch, was Mondbewohner angeht; er hält Mondbewohner für viel unwahrscheinlicher als Planetenbewohner). Huygens:
„Der Mond hat zwei Seiten, und von der einen Seite sieht man die Erde ununterbrochen, während man von der anderen Seite aus die Erde niemals sieht. Diejenigen, die auf der Grenze zwischen den beiden Hälften wohnen, sehen die Erde manchmal, und manchmal nicht. Die Erdbetrachter auf dem Mond sehen aber die in der Himmelsluft schwebende Erdkugel viel größer als uns der Mond erscheint, nämlich viermal größer in ihrem Durchschnitt. Dies aber ist erstaunlich, dass die Mondbewohner die Erde Tag und Nacht am gleichen Ort am Himmel unbeweglich stehen sehen. Manche sehen sie über ihrem Kopf stehen, andere sehen sie über dem Horizont, andere am Horizont, während die Erde sich um ihre Achse dreht, und dabei in einer Zeit von vierundzwanzig Stunden nacheinander alle ihre Länder zeigt und daher auch diejenigen bei den beiden Polen, die uns Erdbewohnern noch unbekannt sind. Ach, dass wir sie doch auch sehen könnten!“
Im Cosmotheoros bezieht sich Huygens mehrere Male auf Kepler. Nicht nur auf Keplers „Traum“, sondern auch – selbstverständlich- auf die wichtigen Keplerschen Gesetze- „[…] was besonders Johannes Kepler beobachtet hat, wie fein der Abstand der Planeten (auch der Erde) von der Sonne mit den aufgeführten periodischen Zeiten in gewisser Proportion übereinstimmt, so wie auch bei den Monden von Jupiter und Saturn, so dass es beachtet werden muss, dass die Abstände und die Umlaufzeiten miteinander zusammenhängen.“
Huygens äußert sich aber auch sehr kritisch zu Keplers Vorstellung des Universums und der Fixsterne: „[…] Es ist daher glaubhafter, dass die Sterne über den weiten Himmelsraum ausgestreut liegen und der Abstand von der Erde zu den nächsten Sternen der gleiche ist wie von diesen zu den nächsten, und dann wieder zu den nächsten, unendlich weit.
Ich weiß, dass Kepler in seiner erwähnten ‚Epitome‘ anderer Meinung ist. Denn obwohl er sehr wohl meint, dass die Sterne über den Himmelsraum ausgesät sind, so behauptet er doch, die Sonne habe einen viel weiteren Raum um sich hin, gleichsam eine leere Sphäre, über welcher erst der mit Sternen volle Himmel beginnt, denn er meint, wir würden sonst nur wenige Sterne und diese in sehr großer Ungleichheit sehen […] „
Huygens protestiert gegen die Meinung Keplers, dass „die Sonne etwas besonderes wäre vor allen anderen Sternen“ und stellt fest: „Wir aber haben- mit den größten Wissenschaftlern dieser Zeit- keine Bedenken, die Sonne und die Fixsterne als von ein- und derselben Natur einzuschätzen. Dadurch erscheint das Universum nun viel größer als man nach bisherigen Schätzungen meinen musste.“
Karl S. Guthke erläutert Keplers Bemerkungen zu außerirdischem Leben, die dieser in verschiedenen Schriften machte, und zeigt, dass Kepler die Sonderstellung des Menschen, der Erde und der Sonne im Universum noch verteidigt; er also noch nicht den radikalen dezentralen Standpunkt von Huygens einnimmt:
„[….] wesentlich bleibt [bei Kepler] das ganze Universum für <uns> als irgendwie höchste Lebewesen geschaffen, und es bleibt überschaubar, ein in symbolischer Geometrik geschlossener Weltraum.“ ( S. 104)
Siehe auch:
Christiaan Huygens und sein Cosmotheoros
Maria Trepp
Literatur:
Guthke, Karl S., Der Mythos der Neuzeit: das Thema der Mehrheit der Welten in der Literatur- und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction, Bern 1983
Kepler, Johannes, Der Traum, oder: Mond-Astronomie, Aus dem Lateinischen von Hans Baumgarten, Berlin 2011
Der niederländische Naturwissenschaftler und Astronom Christiaan Huygens (1629-1695) hat seine Vision des Universums festgelegt in seinem letzten Text „Cosmotheoros“: wörtlich „Weltbetrachter“.
Betrachter und Theoretiker
Auf dem Titel der lateinischen Originalausgabe ist das Wort mit griechischen Buchstaben zu sehen:
Κοσμοθεωρος
„Theoros“, das ist sowohl der Betrachter als auch der Theoretiker des Kosmos. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung,
Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten. Und nicht nur das: die astronomischen Teleskope zum physischen Sehen als Grundlage seiner theoretisch-physikalischen Arbeit hat Huygens selbst gebaut, zusammen mit seinem Bruder, übrigens auch einem „Weltbetrachter“. In dem Text Cosmotheoros nimmt die überlegende Betrachtung der Funktion des Sehens und des Baus des menschlichen Auges dann auch einen wichtigen Platz ein. Huygens: „Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Wahrnehmung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann.“
Hier spricht Huygens, der sehend-wahrnehmende Theoretiker des Lichts und des Sehens.
Huygens hat selbst als betrachtender Weltbeschauer Entdeckungen im Weltraum gemacht, die im Cosmotheoros genannt werden: er hat den ersten Mond des Saturns entdeckt (Titan); er hat als erster den Ring des Saturns richtig beschrieben und erklärt, und er hat eine gute Schätzung für den Abstand zu den Fixsternen unternommen.
In seinem berühmten Buch über die Ringe des Saturns und den ersten entdeckten Saturnmond „Systema Saturnium“ van 1659 (die lateinische Originalversion mit Skizzen und eine französische Übersetzung ist digitalisiert zu finden auf der Website der Oeuvres complètes, Band XV) schreibt Huygens ausführlich über seine Entdeckung des ersten Saturnmondes, den Huygens selbst „comes“, Begleiter, nannte- der Name Titan wurde diesem Mond erst nach Huygens’ Tod verliehen.
Huygens beschreibt, wie er ab 25. März 1655 einen kleinen Stern immer wieder in der Nähe des Saturns sehen kann, in verschiedenen Himmelsrichtungen. Nach sechzehn Tagen ist der Begleiter wieder auf derselben Position zu sehen im Verhältnis zum Saturn.
Auf Huygens’ Skizzen ist deutlich zu sehen, dass Titan ziemlich weit vom Saturn weg steht. Es war gar nicht so einfach, zwischen all den Sternen auf dem Hintergrund den einen Lichtpunkt als einen Mond zu bemerken. Huygens’ selbstgemachtes Teleskop hatte keinen automatischen Nachführmechanismus, wie man ihn heute hat, also war das Beobachten nicht unkompliziert, so wie jeder weiß, der jemals selbst die Sterne mit einem einfachen Fernrohr beobachtet (nach Vincent Icke)

Huygens‘ Analyse der Bahn des Titans und die Bestimmung der Umlaufzeit. Huygens nimmt an, dass die Bahn kreisförmig ist. Nach modernen Messungen misst der Durchschnitt der Bahn 10,6-mal den Durchschnitt des Planeten; also ist die Zeichnung auffällig exakt.
Maria Trepp
Der niederländische Naturwissenschaftler und Astronom Christiaan Huygens (1629-1695) hat seine Vision des Universums festgelegt in seinem letzten Text „Cosmotheoros“: wörtlich „Weltbetrachter“.
(Siehe auch hier zuvor erschienene Blogs)
Betrachter und Theoretiker
Auf dem Titel der lateinischen Originalausgabe ist das Wort mit griechischen Buchstaben zu sehen:
Κοσμοθεωρος
„Theoros“, das ist sowohl der Betrachter als auch der Theoretiker des Kosmos. Das Wort „Theorie“ leitet sich ab von theorein: beobachten, betrachten, [an]schauen; und „Theorie“ ist dann die Anschauung, Überlegung,
Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung; wörtlich: „Schau des Göttlichen“, (theos ).
Theorie wird oft als Gegensatz zur Praxis gesehen. Bei Huygens jedoch waren die Theorie und die Praxis auf faszinierende Weise miteinander verschmolzen. Die Betrachtung enthalten im Wort „theoros“ war bei Huygens sowohl ein physisches als auch ein innerliches Betrachten. Und nicht nur das: die astronomischen Teleskope zum physischen Sehen als Grundlage seiner theoretisch-physikalischen Arbeit hat Huygens selbst gebaut, zusammen mit seinem Bruder, übrigens auch einem „Weltbetrachter“. In dem Text Cosmotheoros nimmt die überlegende Betrachtung der Funktion des Sehens und des Baus des menschlichen Auges dann auch einen wichtigen Platz ein. Huygens: „Wenn wir nämlich die wunderbare Natur des Lichts betrachten, und die außerordentliche Kunst, wie die Augen gemacht so sind, um dieses Licht zu genießen, werden wir leicht erkennen, dass man die Erkenntnis entfernter Dinge, und die Wahrnehmung entfernter Gestalten, oder die Erkenntnis wie weit sie voneinander entfernt sind, nicht auf andere Weise als durch das Sehen erlangen kann.“
Hier spricht Huygens, der sehend-wahrnehmende Theoretiker des Lichts und des Sehens.
Sehen, Betrachten, Verstehen, theoretisches Beschreiben und schilderndes Beschreiben gehen bei Huygens ineinander über, so wie es mehr als hundert Jahre später der Dichter und Naturwissenschaftler Goethe in seiner Farbenlehre beschrieb:
„Denn das bloße Anblicken einer Sache kann uns nicht fördern. Jedes Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes Sinnen in ein Verknüpfen, und so kann man sagen, dass wir schon bei jedem aufmerksamen Blick in die Welt theoretisieren. Dieses aber mit Bewusstsein, mit Selbstkenntnis,
mit Freiheit, und um uns eines gewagten Wortes zu bedienen, mit Ironie zu tun und vorzunehmen, eine solche Gewandtheit ist nötig, wenn die Abstraktion, vor der wir uns fürchten, unschädlich und das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht lebendig und nützlich werden soll.“
Die Ironie, das lebendige Beschreiben und das nützliche Erfahrungsresultat: alles findet sich auch im Cosmotheoros.
Huygens hat selbst als betrachtender Weltbeschauer Entdeckungen im Weltraum gemacht, die im Cosmotheoros genannt werden: er hat den ersten Mond des Saturns entdeckt (Titan); er hat als erster den Ring des Saturns richtig beschrieben und erklärt, und er hat eine gute Schätzung für den Abstand zu den Fixsternen unternommen.
In seinem berühmten Buch über die Ringe des Saturns und den ersten entdeckten Saturnmond „Systema Saturnium“ van 1659 (die lateinische Originalversion mit Skizzen und eine französische Übersetzung ist digitalisiert zu finden auf der Website der Oeuvres complètes, Band XV) schreibt Huygens ausführlich über seine Entdeckung des ersten Saturnmondes, den Huygens selbst „comes“, Begleiter, nannte- der Name Titan wurde diesem Mond erst nach Huygens’ Tod verliehen.
Huygens beschreibt, wie er ab 25. März 1655 einen kleinen Stern immer wieder in der Nähe des Saturns sehen kann, in verschiedenen Himmelsrichtungen. Nach sechzehn Tagen ist der Begleiter wieder auf derselben Position zu sehen im Verhältnis zum Saturn.
Auf Huygens’ Skizzen ist deutlich zu sehen, dass Titan ziemlich weit vom Saturn weg steht. Es war gar nicht so einfach, zwischen all den Sternen auf dem Hintergrund den einen Lichtpunkt als einen Mond zu bemerken. Huygens’ selbstgemachtes Teleskop hatte keinen automatischen Nachführmechanismus, wie man ihn heute hat, also war das Beobachten nicht unkompliziert, so wie jeder weiß, der jemals selbst die Sterne mit einem einfachen Fernrohr beobachtet.

Huygens‘ Analyse der Bahn des Titans und die Bestimmung der Umlaufzeit. Huygens nimmt an, dass die Bahn kreisförmig ist. Nach modernen Messungen misst der Durchschnitt der Bahn 10,6-mal den Durchschnitt des Planeten; also ist die Zeichnung auffällig exakt. (nach Vincent Icke)
Maria Trepp
[Dies ist Teil 2 der Serie über Christiaan Huygens, Teil 1 siehe hier]
Cosmotheoros, „Der Weltbetrachter“, der letzte Text von Christiaan Huygens, ist auf Latein geschrieben, für Christiaans Bruder Constantijn („Geschrieben von Christiaan Huygens für seinen Bruder Constantijn, Geheimrat der königlichen Majestät von Großbritannien“) , aber der Text war zugleich auch bestimmt für andere Leser (die auch angesprochen werden), um diesen ein Bild zu geben von unserem Sonnensystem und den umringenden Sternen. Das ursprüngliche lateinische Manuskript wurde posthum 1698 als Christinani Huygenii Κοσμοθεωρος publiziert. In den Jahren danach erschienen niederländische, englische, deutsche, russische und schwedische Übersetzungen. Die deutsche Übersetzung des Astronomen Johann Philipp von Wurzelbau erschien 1703 bei Lanckischens Erben und ist online zugänglich in der Sächsischen Landesbibliothek.
Der Adressat des als Briefes verfassten Textes „Cosmotheoros“ ist der ältere Bruder Christiaans, Constantijn Huygens Junior, geboren 1628 – ein Jahr vor Christiaan-, und gestorben 1697, zwei Jahre nach Christiaan. Constantijn war, wie auch der Vater Constantijn Huygens (Senior), ein niederländischer Staatsmann. Zusammen mit seinem Bruder Christiaan baute Constantijn jr. wissenschaftliche Instrumente wie Fernrohre und Mikroskope. Er ist mit seinen Tagebüchern auch bekannt geworden als Chronist seiner Zeit.
Constantijn Huygens jr
Christiaan spricht im „Cosmotheoros“ seinen geliebten Bruder direkt an, „Ich hoffe, dass Du, mein Bruder, dies mit besonderer Freude lesen wirst, nachdem Du Dich so sehr für das Außerirdische interessierst“, und nimmt wiederholt Bezug auf die gemeinsame Herstellung von Linsen und Fernrohren „…Daran erinnere ich mich noch mit Lust, und auch an unsere Mühe beim Fertigmachen und Schleifen der Linsen, wobei wir immer wieder neue Möglichkeiten und Werkzeuge erdachten und hiervon nicht genug bekommen konnten“. Auch die lange Abwesenheit des Bruders im Ausland kommt wiederholt zur Sprache:„Ich erinnere mich hierbei daran, als Du und ich durch unsere langen Ferngläser zu den Sternen sahen -wofür wir jetzt keine Gelegenheit mehr haben, denn Du, mein Bruder, bist oft jahrelang in geschäftlichen Angelegenheit abwesend“. Als Christiaan Huygens 1650 begann, sich für Ferngläser zu interessieren, half sein Bruder ihm beim Herstellen der Linsen. Mit dem ersten Teleskop, das die Brüder machten, entdeckte Christiaan den Saturn-Mond Titan. Die Brüder konstruierten immer größere Teleskopobjektive mit immer größeren Durchmesser und Brandpunktabstand; hier das 120-Fuß-Fernrohr der Brüder:

Constantijn Huygens war ab 1689 Sekretär bei Wilhelm von Oranien, der Wilhelm III. von England wurde. Constantijn lebte meist in London, wo Christiaan ihn besuchte und dabei auch persönlich in Kontakt kam mit Newton und mit Boyle.
Maria Trepp
Mein Interesse für Christiaan Huygens, den niederländischen Naturwissenschaftler und Astronomen des 17. Jahrhunderts, wurde durch die Publikationen des Leidener Astrophysikers/Kosmologen Vincent Icke geweckt.
Als deutsche Germanistin in den Niederlanden habe ich 2001 meinen Abschluss an der Universität Leiden erhalten mit einer Arbeit über Brecht und Dürrenmatt, und über deren Dramen und Essays über Galilei, Einstein und die moderne Naturwissenschaft. Während ich an meiner Abschlussarbeit schrieb, erschienen jeden Monat Zeitungskolumnen von Vincent Icke, die sich mit den für mich relevanten Themen wie Wissenschaft und Gesellschaft; Geschichte der Naturwissenschaft; Galilei, Einstein usw. auseinandersetzten. Icke schrieb auch über Christiaan Huygens, und ich stellte fest, dass es nicht viel Material gab, das die Arbeit dieses wichtigen niederländischen Wissenschaftlers behandelt. Später (2005, 2009) hat Vincent Icke selbst zwei kleine Bücher über Huygens verfasst, mit viel anschaulichem, illustrativen Material. Auch beschäftigte Icke sich ausführlich mit dem letzten Text, den Huygens fertigstellte, dem „Cosmotheoros“ (1698, posthum), einem Text, der, wie ich bald sah, faszinierendes Material nicht nur für Naturwissenschaftler enthält, sondern auch für Literaturwissenschaftler, und ebenso auch für Laien; mit anderen Worten, für ein sehr breites Publikum. Die Astronomie und Raumfahrt befinden sich in einer starken Entwicklung, und das Interesse des Öffentlichkeit an neuen Ergebnissen ist groß. Es ist faszinierend, die aktuellen Erkenntnisse über Struktur der Planeten, des Sonnensystems und die Diskussion über Leben auf anderen Planeten zu vergleichen mit den Einsichten, Visionen und Phantasien von Christiaan Huygens, die nicht nur da fesseln, wo er visionär Dinge korrekt vorhergesagt hat, sondern auch in den Punkten, wo er sich täuschte und man heute mehr weiß.
Icke wirbt um ein breites Verständnis für die Naturwissenschaften in der Öffentlichkeit, und hat sich mit großem Einsatz und Erfolg darum bemüht, Christiaan Huygens in den Niederlanden bekannter zu machen.
Mit Kolumnen, Büchern, Interviews und einem leicht ironischen Wettbewerb zum Thema „Wer ist der größte Physiker aller Zeiten?“ (Huygens kam mit durch den Einsatz Ickes auf Platz 2 nach Einstein) gelang es Icke, beim großen Publikum und auch bei mir Interesse zu wecken für die Bedeutung des relativ unbekannten Christiaan Huygens, der für Icke der größte Physiker ist.

Christiaan Huygens
Christiaan Huygens (1629 – 1695) war einer der wichtigsten Begründer der modernen Physik, die zum Ende des sechzehnten und Beginn des siebzehnten Jahrhunderts entstand. Er ist der Begründer der Wellentheorie des Lichts, formulierte ein Relativitätsprinzip, untersuchte den elastischen Stoß, beschrieb die Zentrifugalkraft und konstruierte die ersten Pendeluhren. Mit von ihm verbesserten Teleskopen gelangen ihm wichtige astronomische Entdeckungen, so zum Beispiel die Entdeckung des größten Mondes van Saturn, Titan. Auch erklärter er als erster korrekt den Ring um Saturn.Ich gebe hier Vincent Icke das Wort in der Angelegenheit Christiaan Huygens:
„Physik ist meine Passion, und in der Physik ist Christiaan Huygens mein Held. Newton war ein größerer Mathematiker, aber er griff nach mathematischen Axiomen anstatt nach physikalischen Prinzipien. Einstein war ein größerer Physiker, aber er brauchte nicht mehr zu entdecken, dass die Mathematik in das Zaumzeug der Natur gebracht werden muss, anstatt umgekehrt.“„Huygens war in alle Richtungen engagiert, aber publizierte beinahe nichts. Zu seiner Ehre und zu seinem Andenken erzähle ich über seine Beobachtungen: das Herstellen der Instrumente und das Schleifen der Teleskoplinsen, das nächtelange Spähen nach Nebeln und Planeten. Ich erzähle auch von seinem Engagement in der Kunst, oder jedenfalls der angewandten Kunst, im Dienste der Erklärung. Ich erzähle über Huygens als den Grundleger der klassischen Mechanik, der ersten echten Relativitätstheorie der Welt; von Huygens, einem großen Baumeister der modernen Physik. Und schließlich erzähle ich von der heutigen Physik, dem Erbe von Huygens.“

Christiaan Huygens Cosmotheoros Titelseite
Icke schrieb ausführlich über den Cosmotheoros, eine literarische Phantasie, in der Christiaan Huygens das wissenschaftliche Weltbild seiner Zeit anschaulich macht, indem er seinen Bruder auf eine Reise zu den Tiefen unseres Sonnensystems mitnimmt. Es ist eine Reise voll treffender Bemerkungen über Physik und Astronomie und voll scharfer Bemerkungen über die Nichtigkeit und die Irrwege des Menschen. Der detaillierte Inhalt und das Funktionieren des damals bekannten Weltalls werden als ein Science Fiction wiedergegeben. Huygens verwendet seine literarische Phantasie, um ein physikalisch und astronomisch lebensechtes Bild des Sonnensystems wiederzugeben. Auch die Menschengesellschaft, die durch Krieg und Religionsstreit gegeißelt wurde, hat ihren Platz in Huygens‘ Reflexionen.
Fortsetzung folgt auf diesem Blog.
Wer neugierig ist kann HIER mehr lesen über Christiaan Huygens und seinen Cosmotheoros