Rudolf van den Berg hat einen neuen Film gemacht, Süskind, über den jüdischen Widerstandskämpfer Walter Süskind, der als niederländischer Oskar Schindler hunderte Kinder und Erwachsene rettete.
Der in Deutschland geborene Geschäftsmann Walter Süskind (1906-1945) arbeitete für den Amsterdamer Judenrat als Verwalter bei dem jüdischen Theater Hollandse Schouwburg. In dieser Anstellung konnte er die Personaldaten der in diesem Theater zur Deportation eingelieferten Kinder manipulieren und so manche retten.

Süskinds gute Beziehungen zur deutschen Besetzungsmacht, insbesondere zum SS- Hauptsturmführer Ferdinand aus der Fünten, der in Amsterdam die Deportation der Juden leitete, halfen bei seiner Wiederstandsarbeit. Walter Süskind galt als einfallsreich, charmant und geschickt und fand hundertundein listige Tricks um den Nazis die Kinder unter der Nase weg zu schmuggeln.
Walter Süskind und seine Mitarbeiter taten dies ohne Mitwissen des Amsterdamer Judenrats, denn dieser vertrat eine Linie der Kooperation mit den Nazis.
Nach dem Krieg hat ein jüdischer Ehrenrat den Judenrat Amsterdam sehr kritisch beurteilt, und ganz besonders dessen Hilfe bei der Selektion und Deportation der niederländischen Juden verurteilt. Weil die Besetzer nicht wussten, wer Jude oder kein Jude war, hätte man ohne Hilfe des Judenrats kaum so viele Juden deportieren können, und Eichmann war dann auch sehr zufrieden mit der seiner Meinung nach vorbildlichen Organisation der Deportation in den Niederlanden.
Der Ehrenrat lobte Walter Süskind und seinen mutigen Einsatz, der vom Judenrat nicht unterstützt wurde.
Immer wieder sehen sich Geschichtsforscher vor die Frage gestellt, warum die Anzahl der jüdischen Opfer der Shoah in den Niederlanden am höchsten war in West-Europa, sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen.
Ein Faktor ist die unbegrenzte Macht, die die Nazis in den Niederlanden hatten, um die Deportationen zu organisieren. Aber auch die Stütze durch den Judenrat spielte eine Rolle, wie auch die Haltung der gut integrierten jüdischen Bevölkerung in den Niederlanden. Man durchschaute das Wesen des Nazi-Antisemitismus weniger gut als in anderen Ländern, man glaubte nicht an die Ausrottung der Juden. Man glaubte an die Möglichkeiten zur legalen Freistellung.
Man war zu optimistisch.
Maria Trepp www.passagenproject.com
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Ein ausführlicherer Text ist auf meinem niederländischen Weblog zu lesen
